Meditation in Fesseln: Wie Shibari mir beigebracht hat, die Kontrolle abzugeben
Ich bin ein neugieriger Mensch. Ich liebe es, mich in neue Situationen zu begeben und Erfahrungen zu sammeln, die meine Komfortzone erweitern. Doch vor meiner ersten Begegnung mit Shibari hatte ich Respekt. Was würden die Seile mit meiner empfindlichen Haut machen? Würde mein alter Bandscheibenvorfall Probleme bereiten? Und was, wenn ich mich in der Enge panisch fühle?
Heute weiss ich: Diese Seile waren nicht mein Gefängnis, sondern der Schlüssel zu einer Freiheit, die ich im Alltag oft vermisse.
Die erste Session: Vom Kopf in den Körper
Vor sieben Jahren traf ich bei einem Bier in Zürich den Bekannten einer Freundin. Wir sprachen über Kink, Sexualität und die Kunst des Fesselns. So offen und schambefreit, dass mein inneres Zögern einer tiefen Neugier wich. Kurze Zeit später fand ich mich mit ihm auf einem Bondage-Jam wieder.
Ich schloss die Augen und versuchte, mich in die Arme meines Gegenübers fallenzulassen. Die ersten Berührungen waren sachte, doch als mein Rigger spürte, dass ich bereit war, packte er beherzter zu. Die Seile wurden enger und in diesem Moment geschah etwas Unerwartetes: Anstatt Enge spürte ich einen „Container“ aus Geborgenheit. Ich tauchte ab in einen sogenannten Sub-Space – einen Trance-ähnlichen Zustand, in dem die Aussenwelt verschwand. Ich wand mich zuerst tänzerisch im Widerstand der Seile. Und als die Fesselung nach schon 20 Minuten wieder langsam gelöst wurde, fühlte ich mich weich, schwer und von einer warmen, pulsierenden Energie erfüllt. Ich schwebte förmlich nach Hause.
Shibari als therapeutischer Raum: Der Zauber der Hingabe
Viele Menschen fragen mich: „Ist das nicht unangenehm?“ Für mich ist Shibari vor allem eines: Hingabe. In einer Welt, in der wir ständig Entscheidungen treffen und funktionieren müssen, ist es ein unglaublicher Luxus, die Kontrolle komplett abzugeben.
Die Seile wirken wie eine feste Umarmung. In dieser „gefesselten Meditation“ schalten sich meine Gedanken ab. Ich bin ganz im Hier und Jetzt, ganz im Körper. Wenn die Fesselung schliesslich gelöst wird, folgt eine totale körperliche Entspannung. Jeder Muskel wird schwer und leicht zugleich. Ein Zustand tiefer Regeneration für das Nervensystem.
Dass ich mich in meiner ersten Session so tief fallenlassen konnte, lag an der Sicherheit des Rahmens und am Feingespür meines Gegenübers. Ein gründliches Vorgespräch über Wünsche, Ängste und körperliche Grenzen ist das Fundament jeder Session. Als Bodyworker in Zürich ist es mir heute ein Anliegen, genau diese Sicherheit an meine Klient*innen weiterzugeben. Nur wer sich sicher und angenommen fühlt, kann wirklich loslassen.
Vom Empfangen zum Geben: Meine Mission für Queer Shibari
Nach meiner ersten Erfahrung war mir klar: Ich will das Handwerk des Fesselns lernen. Um ein guter Rigger zu sein, muss man wissen, wie es sich anfühlt, in den Seilen zu liegen. Dieses Feingefühl erlaubt es mir heute, den Raum für meine Kunden individuell zu gestalten. Von meditativ-sinnlich bis hin zu kinky Dom/Sub-Spielen.
Durch Shibari durfte ich wunderbare Verbindungen zu Menschen weben und viel über meine eigene Lust und das heilsame Potenzial von KontrollverLust lernen. Es ist eine Einladung, den eigenen Körper urteilsfrei zu erforschen, Scham abzulegen und den Alltag hinter sich zulassen.
Bist du bereit, die Kraft der Seile zu erleben? Egal, ob du neugierig bist oder gezielt nach einer therapeutischen Erfahrung suchst: In meinem sicheren Raum in Zürich begleite ich dich achtsam durch dein Shibari-Ritual.